WARUM iCH GERN ALLEiNE REiSE

Immer wieder bekomme ich eine gehobene Augenbraue, einen verständnislosen Blick oder den Satz „das könnte ich nicht“, wenn ich erzähle, dass ich alleine reise. Das passiert hier in Deutschland genauso, wie unterwegs. Manchmal ist es Bewunderung, manchmal auch der Gedanke, was mit mir wohl nicht stimmt, der sich dahinter verbirgt. Ob nichts davon gerechtfertigt ist oder beides? Ich weiß es nicht und es ist auch nicht wichtig. Es ist auch nicht so, dass ich Gesellschaft beim Reisen ablehne. Ich finde es sogar schön, mich unterwegs mit Freunden zu treffen oder unterwegs neue Leute kennen zu lernen und ein Stück gemeinsam zu reisen. Aber wenn ich immer darauf warten würde, bis jemand anders auch Zeit und Lust hat genau dieselben Orte zu besuchen wie ich, dann wäre ich wohl noch nicht recht weit gekommen. Deshalb habe ich beschlossen alleine reisen auszuprobieren. Und ich mochte es. Hier ist ein Erklärungsversuch, warum ich es jetzt sogar genieße- meistens jedenfalls.

Ja, am Anfang hatte ich ein bisschen Angst. Und ja, es ist anstrengend. Ich muss mich jeden Tag darum kümmern, wo ich die nächste Nacht schlafe, wo und was ich esse, wie lange ich an einem Ort bleibe, wie und wann ich weiter ziehe…. Es sind eine Million kleine Entscheidungen, die ich jeden Tag alleine treffen muss und ebenso viele Dinge, die es gilt alleine zu organisieren. Und manchmal schaue ich neidisch auf Paare oder Freunde, die zusammen reisen und sich diese Arbeit teilen. Der eine sucht nach Transportmöglichkeiten, der andere nach der nächsten Unterkunft.

FREiHEiT

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb sich die meisten Menschen vor ihr fürchten. – George Bernard Shaw

Aber die Freiheit zu entscheiden, wann, wie, wohin fühlt sich auch trotz aller Nachteile unfassbar gut an. Die Entscheidung liegt allein bei mir. Ich muss mich mit niemandem abstimmen. Ich kann ganz nach meinen Bedürfnissen leben und muss sie nicht einem anderen unterordnen. Vor allem gibt es mir aber die Möglichkeit erstmal rauszufinden, was meine Bedürfnisse eigentlich sind. Das ist auch manchmal nicht so einfach. Dann wäre es schön, jemandem einfach die Verantwortung zu übertragen und ihm die Entscheidung zu überlassen. Ich weiß, dass ich dazu neige, wenn ich nicht genau weiß, was ich will. Oder manchmal brauche ich sehr lange um Entscheidungen zu treffen. Für und Wider abwägen, die beste Möglichkeit suchen, und die Konsequenzen zu bedenken kostet mich oft sehr viel Zeit. Aber darin liegt eben genau die Lektion. Ich lerne spontaner zu sein, aus dem Bauch raus zu entscheiden, meine innere Stimme zu hören und ihr zu vertrauen.

MiCH SELBST KENNENLERNEN

Manchmal muss man einsam in einem stillen Raum auf dem Boden sitzen um die eigene Stimme zu hören und sie nicht im Lärm der anderen untergehen zu lassen. ― Charlotte Eriksson

Wie die meisten Menschen, habe auch ich emotionales Gepäck, das ich nie bearbeitet habe, unterdrücke oder mit der Geschäftigkeit des täglichen Lebens erfolgreich überlagere. Alleine zu reisen ist eine Möglichkeit, mich besser kennen zu lernen und sich diesen Dingen zu stellen. Wenn es mal schwierig ist, gibt es niemanden, an dem ich es auslassen kann. Ich muss mit mir selbst klarkommen, wenn ich von Situationen oder Menschen getriggert werde, die völlig unangebrachte Reaktionen oder Gedanken auslösen. Ich ertappe mich zum Beispiel manchmal dabei, wie ich wütend werde oder ein anderes Verhalten an den Tag lege, das versucht meine Verzweiflung in einer schwierigen Situation zu überlagern. Alleine erkenne ich das schneller, kann meine Verzweiflung und Hilflosigkeit besser akzeptieren, nach dem wirklichen Grund suchen und werde so auch schneller damit fertig. Alleine zu reisen hilft mir, mich selbst besser kennenzulernen, tief vergrabene Dinge zu verarbeiten und loszulassen.

ANDERE MENSCHEN KENNENLERNEN

Die meisten Menschen treffen wir nicht per Zufall. Es gibt immer einen Grund, warum sie uns über den Weg laufen.

Natürlich heißt das alles nicht, dass ich immer alleine bin auf meinen Reisen. Alleine zu reisen bedeutet auch mehr Kontakt zu fremden Menschen zu haben. Das erweitert den Horizont und lässt mich über meinen eigenen Schatten der Unsicherheit springen. Schon allein, weil man vielleicht mehr Hilfe braucht, als mit einem Reisepartner an der Seite, muss man ab und zu einfach fremde Menschen ansprechen oder nach Hilfe fragen. Manchmal ist es auch einfach schön mit der Bedienung ein paar persönliche Worte zu wechseln oder sich mit einem anderen Reisenden auszutauschen, der gerade am Tisch neben mir sitzt. Das ist eine der Herausforderungen, der ich mich auf meinen Reisen stelle und wird sehr oft mit interessanten Begegnungen belohnt. Oft komme ich so in Kontakt mit tollen Menschen, die ich sonst verpasst hätte! Sogar tiefe Freundschaften haben sich so ergeben. Außerdem erscheint man auch für andere Menschen erreichbarer, wenn man alleine reist. Der Kontakt zu Locals oder anderen Alleinreisenden ist leichter, weil auch von ihrer Seite die Hürde niedriger scheint. Es ist einfach wunderbar die Hilfsbereitschaft und Offenheit zu erleben, die in der Natur des Menschen liegt!

iM MOMENT SEiN

Im Moment sein. Das ist das, was ich auf meinen Reisen am meisten genieße. Und es gelingt mir auf Reisen viel leichter als zu Hause. Warum? Weil alles Neue und Unbekannte mich mit aller Kraft in den Moment zieht. Alle Sinne sind offen um wahrzunehmen. In der gewohnten Umgebung geht mir das immer schnell verloren, weil mein Gehirn ja schon alles kennt und einordnet. Meine Gedanken schweifen ab und fange an zu planen oder halte mich anderweitig geschäftig beschäftigt anstatt im Moment zu sein. Mein Kopf ist mehr in der Zukunft und der Vergangenheit, als in der Gegenwart. Aber auf Reisen, in neuer Umgebung und allein bin ich ohne Ablenkung und muss keinem Bild entsprechen. Ich kann so meine Augen und mein Herz für die Schönheit der Welt öffnen, leichter in eine andere Kultur eintauchen und genießen nur im Moment zu sein.

Alleine zu reisen bedeutet für mich die Chance zu wachsen und die Welt und mich selbst authentisch kennenzulernen. Ich empfehle es jedem, es einmal auszuprobieren!

NACHTEiL

Dennoch gibt es natürlich auch Situationen, in denen ich nicht gerne alleine unterwegs bin. Keiner da, der sich kümmert, wenn man krank wird zum Beispiel. Aber vor allem wünsche ich mir oft jemanden, um die schönsten, beeindruckendsten und glücklichsten Momente zu teilen. Geteiltes Glück ist doppeltes Glück!

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